Das Spiel mit der Font

Autor: Tanja
Lesezeit: 3min

Ohne Schrift ist unsere Welt unvorstellbar. Täglich sind wir mit Kommunikation in Form von Buchstaben, Symbolen und Emojis konfrontiert. Auch im Grafikdesign ist Typografie ein sehr wichtiger und komplexer Part im Entwicklungsprozess eines Designs. In diesem Schritt sollte genug Zeit investiert werden, denn es ist nicht immer leicht die passende zu finden. Eine meiner Vorbilder, Paula Scher, bringt es mit folgenden Satz den Fakt, warum Typografie im Corporate Design eines der wichtigsten Dinge ist, auf den Punkt: „Words have meaning. Type has spirit.“

In diesem Blogeintrag erfährst du die Bedeutung von Typografie im Grafikbereich, welche Tools du zur Schriftfindung nutzen kannst, und welche Fonts du eher vermeiden solltest.

 

 

Emotion und Schrift

Typografie ist der Emotionsträger des Wortes. Auch wenn du jetzt schmunzeln wirst, aber die Art WIE etwas geschrieben ist, bestimmt die Weise, wie deine KundInnen dein Unternehmen wahrnehmen. Das Logo ist häufig der erste Kontakt zwischen KundIn und Marke, deswegen sollte da auch alles passen - so wie beim ersten Date. Wer würde schon mit dem Bademantel seine Verabredung wahrnehmen? Die Typografie ist die Stimme des geschriebenen Wortes und entscheidet auf welche Art und Weise der Text wahrgenommen wird und welche Auswirkungen er auf die LeserInnen hat.

Anhand folgender Beispiele möchte ich aufzeigen, was ich damit meine. Welche Typografie würdest du eher für das Wort Burger auswählen?

 

Oder, welche Botschaft würdest du eher versenden?

Viele Unternehmen nutzen bewusst die Typografie, um eine bestimmte Branche zu verkörpern und die passende Zielgruppe anzusprechen. Die Schriftart Bodoni wird oft für Modemarken verwendet.

Die Designerin Sarah Hyndman befasst sich intensiv mit dem Thema Typografie und Emotion. In ihrem Buch „Why Fonts Matter“ beschreibt sie, was bestimmte Schriftarten bewirken können. Sie erörtert auch, dass bestimmte Fonts oder Stile Erinnerungen in unserem Gehirn auslösen und Assoziationen hervorrufen, welche unsere Sinne beeinflussen können. Die Auswahl des Design und die investierte Zeit im Entwicklungsprozess ist immer eine gewisse Art von angewandter Psychologie. Das bedeutet, dass GestalterInnen sich vor allem mit den Erwartungen der Menschen beschäftigen, die das Logo betrachten.

Sich mit der Wirkung der Erscheinungsform von Schrift zu beschäftigen und mehr darüber in Erfahrung zu bringen, kann uns zu mehr Bewusstsein und Kontrolle, über getroffene Entscheidungen, verhelfen und es kann auch sehr amüsant sein, wenn man hinter die Kulissen blickt. Wir werden in weitaus größerem Ausmaß von Schrift, Branding, Farben etc. beeinflusst, als uns augenscheinlich bewusst ist.

Sarah Hyndman arbeitet gemeinsam mit dem Crossmodal Research Laboratory an Studien über die Wahrnehmung von Typografie bei KonsumentInnen und deren Auswirkungen. Das Type Tasting Lab wird häufig auf Popup-Labor Veranstaltungen aufgebaut. Falls du zu diesem Thema weiterführende Informationen willst, findest du hier die Website von Type Tasting.

 

Kleiner Schrifttest

Was schmeckt süß? Oder welches A steht für Süßigkeiten?

 

 

Welche Flasche ist teurer?

 Welche Schrift spiegelt Modernität wieder?

Tools für die Schriftsuche

Wie suche ich nach der perfekten Schrift? Wie finde ich die Schriftart heraus, wenn mir etwas gefällt? Ich hatte schon oft das Vergnügen, dass KundInnen mir Bilder von bestimmten Schriften geschickt haben, mit dem Kommentar „diese bitte“. Wir Grafiker sind aber leider keine Lexika, welche alle Namen der existierenden Schriftarten im Kopf haben. Deshalb greife ich oft auf das Tool „What the font“ zurück. Hier fügst du online das Bild mit der gewünschten Schrift ein und das Tool listet alle ähnlich aussehenden Schriften auf. Anhand dieser Auswahl kann man die richtige finden und durch die Verlinkung auch gleich herunterladen. Darüber hinaus gibt es noch Google Font oder, wer die Adobe Cloude besitzt, Adobe Font. Beide Dienste bieten viele Schriftarten gratis an.

So komme ich nun auf einen anderes wichtiges Thema - Schriften kaufen. Häufig möchten KundInnen kein Geld für eine Schrift ausgeben. Das ist keine Seltenheit in der Werbebranche, denn Kreativität hat keinen Maßstab. Es wäre das gleiche, wenn du deinen Elektriker bitten würdest, seinen Dienst gratis auszuüben oder die Semmel beim Bäcker gratis möchtest. Nur mal am Rande - der Elektriker ist meistens teurer als die Typografie.

Der Vorteil einer gekauften Schrift ist, dass sie auf dem Markt nicht so häufig anzutreffen sein wird. Nicht zuletzt, wird der Typograph auch für seine Dienste entlohnt.

 

Verbotene Schriften?

Alle GrafikerInnen haben eine eigene Liste an Schriftarten, welche sie hassen und nicht benutzen möchten. Jedoch gibt es ein Ranking an unvorteilhafte Schriften für bestimmte Branchen. Dennoch gibt es die Top 1 Schrift, die von manchen KundInnen geliebt und von allen GrafikerInnen gehasst wird: Comic Sans.

Hier noch ein paar unvorteilhafte Schriften, die du eher vermeiden solltest:

1. Comic Sans (bitte einfach nicht!!)

2. Papyrus

3. Zapfino

4. Times New Roman

5. Calibri

 

Elefanten-Tipp:

Die perfekte Schrift lässt sich nicht in zwei Stunden finden. Es handelt sich um einen Gestaltungsprozess, welcher seine Zeit benötigt. Wichtiger als die Dauer ist es, einen optimalen Wiedererkennungswert zu erzielen und dich sehr gut am Markt zu platzieren. Du musst und kannst nicht in allen Bereichen deines Marketings selbst Profi sein. Deshalb beraten wir dich gerne.

 

Auflösung:

1. A 2. B 3.B

 

Quelle Bilder: https://99designs.at/blog/design-kreativitaet/typografie-wirkung/ https://www.typetasting.com/