Tabuthema "kreatives Loch"

Autor: Tanja
Lesezeit: 4min

Du sitzt vor deinem leeren Blatt und grübelst schon seit gefühlt ewigen Stunden über eine neue Strategie. Die Wirkung vom dritten Kaffee lässt auch auf sich warten und dein/e ChefIn sitzt dir wegen der Finalisierung des Entwurfs im Nacken. Oder du bekommst eher negatives Feedback zu den ersten Layouts, obwohl du dafür schon sehr lange gebraucht hast. Wenn dir das bekannt vorkommt, dann lese weiter! In diesem Blogbeitrag erfährst du, wie du dieses kreative Loch richtig auskurierst.

 

 

Dieses von mir gern genannte kreative Loch ist kein Einzelfall und du musst dich dafür auch nicht schämen oder in Selbstzweifel über dein Job-Wahl verfallen. Kurz vorweg - nein du hast dein Talent und deine Kreativität nicht verloren und musst von nun an einen anderen Beruf suchen. Alles was du brauchst ist eine kleine Pause.

Diesen Punkt, an dem einfach nichts mehr geht, kann jeder mal erreichen. Auch die Erfolgreichsten in der Kreativbranche kennen so etwas. Doch in unserer jetzigen Welt, wo alles so schnell geht und gehen muss, in der man oft einfach funktionieren muss und keine Schwäche zeigen darf… genau durch diesen Druck fällt man sehr leicht in dieses Loch und verharrt darin für einige Zeit. Außer man beschließt für sich selbst, dass man es überhaupt nicht so weit kommen lässt.

Ich vergleiche diese Situation gerne mit Sport. Und falls du jetzt meinst, das ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen, dann lese weiter. Wenn eine Person sehr viel von ihrem Körper abverlangt, also zum Beispiel jeden Tag 10km laufen geht, dann wird der Organismus irgendwann einmal sagen: „Es reicht!“

Zwar ist Übertraining ein schlimmerer körperlicher Zustand als Ideenlosigkeit, aber denk mal darüber nach, was du in der letzten Zeit alles geleistet hast. Kreativität ist zwar vielleicht ein angeborenes Talent, aber es ist auch viel Kopfarbeit, die gern durch eine Inspirationssammlung unterstützt wird. Wir GrafikerInnen sehen die Welt mit anderen Augen. Gern diskutieren wir auch in einem Restaurant über die Font, welche in der Speiskarte benutzt wurde und zerlegen gedanklich das ganze Layout. Sagt uns der Entwurf zu, dann machen wir auch ein Foto für die Sammlung.

Jeden Tag versucht die Werbebranche das neuste und beste Design oder die perfekte Marketingstrategie für eine Marke zu entwickeln. Auch simple Entwürfe wie Visitenkarten oder Briefkuverts müssen auffallen. Doch ab und zu ist der Akku deiner Kreativität leer - das bedeutet allerdings nicht, dass du in Selbstzweifel verfallen solltest, sondern vielmehr „Abwarten und Tee trinken“. Denn das kreative Loch geht auch von allein weg. Oder du machst effektiv etwas dagegen und schnürst dir ein Erste-Hilfe-Paket für solche Situationen.

 

Hier führe ich nun mein Hilfspaket an, vielleicht kann es dir ja auch etwas nützen:


Abstand

Das InDesign Dokument hat schon mind. 10 Entwürfe und keiner davon überzeugt dich oder deine/n ChefIn? Dann schließe das Programm und gewinne zu diesem Projekt ein bisschen Abstand. Lass es einfach liegen. Am besten für ein bis zwei Tage, sofern es die Deadline erlaubt. Falls nicht, dann mindestens für eine Stunde. Mach in dieser Zeit etwas komplett anderes oder stöbere in deiner Inspirationssammlung. Oder geh mit dem Agenturhund spazieren, dieser wird sich sicher freuen. Was auch immer dich von diesem Projekt ablenkt, mache es!

Insirationssammlung

Wie schon angesprochen, suche dir Inspiration! Egal in welcher Form, ob im Internet oder in Büchern. Es bringt dich einerseits auf andere Gedanken und andererseits findest du einen neuen Ansatz. Wir Kreative sind keine Wunderwuzzis, welche auf Knopfdruck eine Mega-Idee ausspucken. Sich Hilfe zu suchen ist ok und spart Zeit. Hier ist eine Liste meiner Inspirationsseiten, -bücher und -personen:

- Behance
- &walsh
- Pentagramdesign
- Sagmeister&Walsh
- Paula Scher
- Start me up; von Gestalten
- Pinterest
- Instagram

Frag doch einfach

Frag doch einfach mal deine KollegInnen nach Ideen! Das ist kein Zeichen von Unfähigkeit. Denn diese beschäftigen sich nicht den ganzen Tag mit diesem Thema und haben deswegen auch einen anderen Blick. Es muss auch nicht in deinem Arbeitsfeld sein, du kannst auch deine Freunde fragen. Notiere dir alle Ideen und mache ein Moodboard. Es führen ja auch mehrere Wege nach Rom.

Durchatmen und Loslassen

Stress dich nicht! Mit Stress und Druck kommt nie etwas Gutes raus. Generell gilt, eine Deadline hat ja einen Sinn. Zumindest jene von braven Kunden ;) Teile dir die Arbeit in Häppchen auf, falls dir nicht auf Anhieb ein kompletter Style Guide aus deinem Kopf springt. Falls du weißt, dass die Abgabe erst in drei Tagen ist und dir heute nichts einfällt, dann lass es liegen und mach in ein paar Stunden oder morgen weiter. Besprich es auch mit deinem/deiner ChefIn, dass dir heute nichts Gutes dazu einfällt und dass du ein anderes Projekt machst. Um eine gute kreative Lösung zu finden, braucht es Zeit. Leider bekommen wir diese oft nicht, deswegen Durchatmen und deinen Stress im Kopf reduzieren.

Urlaub

Urlaub ist das beste Heilmittel! Leider sind spontan Urlaube, die mindestens eine Woche dauern, in der Arbeitswelt nicht möglich. Aber wie wäre es mit einem Tapetenwechsel am Wochenende? Fahr doch spontan in eine andere Stadt? Vielleicht geht sich sogar ein Flug nach Valencia von Freitag bis Sonntag aus? Durch einen Tapetenwechsel oder kulturellen Umschwung wirst du vor Ideen nur so sprudeln!

 

Elefanten-Tipp:

Entweder du wartest ab, sofern es der Projektplan zulässt oder du nutzt dein Hilfspaket. Ein kreatives Loch kann immer mal vorkommen, mach dir deshalb keinen Kopf. Deine Kreativität kommt dir nicht einfach so dauerhaft abhanden. Natürlich kannst du auch etwas dagegen tun, wie zum Beispiel dein Erste-Hilfe-Paket. Alles ist besser als in Selbstmittleid zu verfallen.