Grafikdesigner unmasked - Was wir uns wirklich denken

Autorin: Tanja
Lesezeit: 3min

Natürlich lieben wir die Vorgaben unserer KundInnen. Aber wie überall, wo kreativ gearbeitet wird, ist es nicht immer leicht, eigene Visionen in den Hintergrund zu stellen, um auf Kundenwünsche perfekt einzugehen. Und genau dieser Zwiespalt zwischen eigenen und fremden ästhetischen Idealen lässt viel Spielraum für witzige Anekdoten.

Deshalb seien hiermit alle unsere Blog-LeserInnen gewarnt: Dieser Artikel birgt eine erhöhte Gefahr von Sarkasmus und Ironie. Weiterlesen auf eigene Gefahr. Wenn du schon immer wissen wolltest, was GrafikdesignerInnen wirklich denken, wenn sie ihre Augen verdrehen und ein zerknirschtes „Sicher, sehr gerne“ zwischen den Zähnen hervorpressen – dann bist du hier richtig.

Grafiker mit Gedankenblase

Was machen diese bunten Vögel?

Wir sind die bunten Vögel des Agenturalltags. Wir sind visuelle Denker mit nur einem Ziel: Wir machen das Unmögliche möglich… Auch wenn es uns blind macht. Als GrafikerInnen bringen wir unsere Ideen voller Liebe und Begeisterung zu Papier - oder auf den Screen - um diese dann unter den oftmals verwirrenden Visionen unserer AuftraggeberInnen zu begraben. Alles getreu dem Motto: Der Kunde ist König.

Deshalb versuchen wir oft, unseren kreativen Kopf zu ignorieren und so etwas wie Ästhetik zu vergessen, um das Exotische visuell umzusetzen. Alles für unsere KlientenInnen. Deshalb schattieren, verdrehen, verbiegen, skalieren wir brav und, wenn nötig, vergrößern wir gerne das Logo auf dem Entwurf.

Unsere wichtigste Charaktereigenschaft ist das Nachgeben. Wir erkennen die Gefahr, akzeptieren die Umstände und ziehen unsere Manöver zurück. Unsere Wünsche sind zweitrangig, denn alles was wirklich zählt, ist Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich kreativ zu entfalten. Denn wir verstehen Ihren Frust im alltäglichen Berufsleben und sind darüber froh, Ihnen den Tag zu verschönern.

Kommen wir zum eigentlichen Tabuthema in der Werbebranche: Das Zusammenspiel zwischen Aussage und Hintergrundgedanken eines Grafikdesigners.
Hast du dich jemals während eines Meetings - oder Telefonats - gefragt, ob wir alles 100%-ig so meinen, wie wir es sagen? Sind wir wirklich immer so gut gelaunt? Brauchen wir tatsächlich Aufputschmittel, um trotz komplizierter Anforderungen immer so eine tolle Stimmung zu haben? Du möchtest wirklich wissen, was wir uns denken, wenn du uns eine Kombinationsmöglichkeit von Farben und Schriften vorschlägst? Blick hinter die Kulissen, um uns schräge Vögel der Marketingbranche endlich zu verstehen!

 

Die beste Freundin aller Grafikdesigner

Zuerst noch eine schlechte Nachricht: Unsere gute Laune und Produktivität verdanken wir keinem richtigen Doping, allerdings unserer besten Freundin in der Agentur: der Kaffeemaschine. Diesem Goldstück verdanken wir die unbändige Energie, Aufträge und Wünsche fristgerecht abliefern können. In diesem Sinne, bitten wir um eine kurze Gedenkzeit an alle dahingeschiedenen Kaffeebohnen und an den Erfinder der Vollautomaten. Danke!!

 

Aussagen und Hintergrundgedanken eines Grafikers

Gedanken eines Grafikers

A: Ich präsentiere gerne immer drei Entwürfe. Entscheide du.
G: Ich weiß sowieso, welcher Entwurf der richtige ist.

A: Leider hat es länger gedauert, als ich im Angebot kalkuliert habe.
G: Wenn ich rechtzeitig ordentliches Feedback bekommen hätte und nicht immer wieder neue, exotische Änderungen machen hätte müssen, wäre es jetzt nicht so teuer.

A: Das hört sich gut an. Super Idee!
G: Und wieder mal gut, dass ich in Hogwarts studiert habe und zaubern kann.

A: Im Großen und Ganzen habe ich alle Infos, die ich brauche.
G: 200 mal 200 was? Kartoffeln?

A: Ihre Website hat ein gewisses Verbesserungspotential.
G: Holy shit – ich bin blind!!! Aaaahhh!!

A: Ich erkenne ja schon die Basis ihres bisherigen Design. Darauf bauen wir natürlich gern auf.
G: Hat das echt jemand in Word entworfen??

A: Am Montag muss das schon online gehen? Ok das schaffen wir.
G: Mama, ich kann leider wieder nicht zum Essen kommen…

A: Ja das stimmt. So sieht es besser aus als meine vorherigen Entwürfe.
G: Hauptsache du bist glücklich und zahlst die Rechnung…

A: Das sieht man im Druck dann nicht.
G: Fuck – wo kommt diese Linie her?

A: Die Brille aus dem Gesicht des Kollegen wegmachen?
Klar, mit Photoshop geht das ganz einfach.
G: Und wieder einmal muss ich meine Seele verkaufen, um auf magische Weise dieses Foto in kürzester Zeit komplett zu verändern…

 

Elefanten-Tipp:

Natürlich ist es gut, wenn du schon Vorstellungen deines Markenauftritts hast. Es ist ganz wichtig, zu wissen, wie dein Unternehmen auf deine Zielgruppe wirken soll. Trotzdem ist es ratsam, die Herangehensweisen und Empfehlungen von GrafikdesignerInnen ernst zu nehmen – sie sind immerhin die Profis. MarketingspezialistInnen sollen dein Unternehmen beratend und nicht nur ausführend unterstützen. Die beste Marketingstrategie greift immer am besten, wenn sie Hand in Hand umgesetzt wird und alle das beisteuern, was sie am besten können. Diese kreative Harmonie zwischen AuftraggeberInnen und Agenturen sichern deinen Erfolg.